Hinter den Blumen - die Idee

Slowflowers, Bio-Zertifizierung, Handarbeit - wozu?

In einer Welt, die mit Nachhaltigkeits-Zertifikaten übersät,  aber trotzdem weit entfernt von einer umweltfreundlichen Wirtschaft oder sozialen Mindeststandards für ein würdiges Menschenleben unabhängig von Herkunft, Sexualität, Religion, Behinderung etc. ist, braucht es immer wieder kritisches Hinschauen und Reflexion.

Bei den Blumen ist dabei nur ein kleinster Teil, möchte aber im Rahmen der Möglichkeiten dazu beitragen, dass wir Natur und Mensch wieder mehr wertschätzen und gemeinsam an einer lebenswerten Zukunft arbeiten. Das sind großgesteckte Ziele, denen in der Praxis häufig entweder fehlendes Geld oder knappe Zeit entgegen stehen. Wir versuchen aber, bei jeder Entscheidung einen Schritt weiter zu gehen und dies transparent mit euch zu kommunizieren.

Viele Sachen konnten wir in der ersten Saison/beim Aufbau schon umsetzen, einiges wird bei der Weiterentwicklung entstehen. 

Die Slowflower-Bewegung

Ein Unternehmen zu gründen, welches einen ganz anderen Weg gehen möchte, als es die meisten in der Branche tun, ist nicht einfach und häufig noch anstrengender, als eine Gründung als Quereinsteigerin sowieso schon.

Deshalb sind wir überglücklich, in der Slowflower-Bewegung ganz viele verschiedene Mitstreiter*innen gefunden zu haben, die sich dem nachhaltigen, regionalen Blumenanbau verschrieben haben. Ohne all den Austausch mit anderen Farmer*innen würde es Bei den Blumen wahrscheinlich nicht geben, weil es viel zu unmöglich und idealistisch scheinen würde.

Bei den Blumen ist Ordentliches Mitglied des Slowflower-Bewegung e.V. und wirtschaftet 100% nach den Leitlinien.

Doch was bedeutet das eigentlich so ganz praktisch?

 Keine Pestizide.

Unsere Pflanzen werden zu keinem Zeitpunkt ihres Lebens mit Mitteln behandelt, die Pilze, Beikräuter oder bestimmte Insekten abtöten. Das tun wir einerseits, weil wir nicht wollen, dass die Natur rund um das Feld darunter leidet und natürlich weil wir finden, dass solche Stoffe nichts in euren Wohnzimmern, Geschenketischen oder Festtafeln zu suchen haben.

Andererseits sind wir in der wunderbaren Lage, dass wir das auch garnicht nötig haben. Warum? Wir haben einen tollen Standort direkt umgeben von Bio-Landwirtschaft mit vielen Naturschutzbemühungen. So wohnt in der Hecke neben dem Feld ein Igel, der uns die Schnecken fern hält, die Nachbarskatzen verjagen die ein oder andere Maus und auch an nützlichen Insekten mangelt es bei uns nicht. In der Praxis wurde das Feld im Mai 2023 mit Blattläusen überrannt, viele sorgsam herangezogenen Jungpflanzen waren übersät. Eine kleine Panik und ein paar Tage später kam die Rettung: alles war plötzlich voller Marienkäfer und das Problem war gelöst. Das ist fast zu ideal, um es euch hier zu erzählen, denn natürlich gibt es da auch ganz andere Erlebnisse – das führt mich aber zum nächsten Punkt, denn: Viele Schädlinge befallen ganz bestimmte Pflanzen und nicht alle. Kartoffelkäfer zum Beispiel hatten wir auch und die bekommt man eigentlich nur durch Ansammeln und Vernichten so richtig los. Sie fressen aber zum Glück nur Nachtschattengewächse und durch die vielen vielen verschiedenen Pflanzenarten auf dem Feld, haben wir die zwei Beete dann einfach “geopfert”, ohne dass das einen großen Verlust bedeutet hätte. Vielfalt statt Monokultur zahlt sich hier ganz direkt aus.

 Organischer Dünger.

Eines der Probleme in der Landwirtschaft ist der übermäßige Einsatz von Düngemitteln, die sich z.B. ins Grundwasser auswaschen.

Wir lassen den Boden regelmäßig im Labor untersuchen und düngen nur so viel, wie auch wirklich gebraucht wird. Das ist auf unserer Fläche erstaunlich wenig, um nicht zu sagen, verschwindend gering. Aktuell wird vor der Pflanzung eine dünne Schicht Kompost aus dem nahegelegenen Kompostwerk ausgebracht (bald können wir hoffentlich eigenen Kompost anlegen) und der Boden ansonsten vorerst in Ruhe gelassen. Bei der nächsten Bodenkontrolle wird sich dann zeigen, wie wir das anpassen müssen, damit es für unseren Anbau passt.

Insektenschutz.

Der Verlust von Biodiversität sollte uns als Menschheit eigentlich viel stärker beschäftigen, als er es tut, denn wir sind abhängig von vielen natürlichen Prozessen, die dank verschiedener Pflanzen und Tiere im Hintergrund ablaufen und unser Leben möglich machen. In aller Munde ist ja immer mal das Bienensterben und wenn es um Blumen geht, dann liegt es nahe, dass wir uns darüber besonders Gedanken machen. (Dabei gehts übrigens weniger um die Honigbiene sondern viel mehr die vielen vielen Wildbienen-Arten, die einen viel größeren Teil des Bestäubungs-Jobs übernehmen, den wir dringend z.B. für unser Obst brauchen.)

Indem wir auf Insektizide (s. Pestizide) verzichten, vernichten wir keine nützlichen Insekten. Das ist wichtig, aber natürlich auch nicht alles, was es braucht, damit diese Tiere leben können. Denn neben Nahrung, die sie hoffentlich viel in unseren vielfach auch ungefüllten Blüten finden, brauchen sie geeigneten Lebensraum. Und da reden wir nicht von Insektenhotels aus dem Baumarkt (bitte nicht kaufen, sondern mal beim Nabu vorbei schauen für gute Exemplare!), sondern natürlichem Lebensraum. Im hinteren Bereich des Feldes, der Blumenwiese, haben wir letztes Jahr verschiedene Sandbienen beobachten können, die Holzbiene hat uns fleißig besucht und auch zahlreichen Hummelarten konnten wir begegnen. Zukünftig wollen wir einen geschützten Bereich mit Totholz und Sand aufbauen, um den fleißigen Arbeitstierchen einen guten Lebensraum zu schaffen. Mit der Hecke am Feld haben wir da zum Glück schon eine tolle Basis!

Kein Einmal-Plastik.

Dass unser großer Plastikverbrauch ein riesiges Problem darstellt, dürfte allen bewusst sein. Viele negative Auswirkungen auf Mensch und Natur sind schon lange klar. Wir versuchen daher, so gut es geht, auf Einmal-Plastik zu verzichten und allen Müll dem Recycling zuzuführen.

Alle unsere Bestellungen versenden wir komplett plastikfrei, wenn möglich auch in schon verwendeten Kartons. Das kostet mehr Zeit und auch Geld, aber das ist es uns wert. Wenn ihr Pakete von uns erhaltet, verwendet sie doch gerne ebenfalls weiter! Auch auf dem Feld setzen wir eher auf mehr Arbeit, als auf Plastik. Zum Beispiel verzichten wir auf die sehr praktische Unkrautfolie, die man normalerweise auf den Beeten und Wegen einsetzt und jäten dafür mehr – wir hoffen, dass wir uns das auch zukünftig erhalten können.

Um ganz transparent mit euch zu sein: so ganz auf Plastik verzichten können wir dann aber leider doch noch nicht, auch wenn es da zum Glück immer mehr Alternativen gibt, die wir gerne zukünftig ausprobieren wollen. Wir verwenden aktuell für die Aussaat Anzuchtplatten aus Plastik (werden dafür immer wieder verwendet) und auch unsere Bewässerungsschläuche und der ein oder andere Kabelbinder, finden sich auf dem Feld. Ganz ohne können wir also nicht, aber wo es geht, verzichten wir drauf.

Keine Plastik-Steckmasse.

Kennt ihr diese grüne Masse, die in den meisten Blumenläden für Gestecke, Kränze und Co verwendet wird? Die saugt sich mit Wasser voll, man steckt die frischen Blumen rein und es hält seine Form und die Blumen für einige Tage frisch. (Gibts auch in grau für Trockenblumen.) Das Zeug ist super praktisch und wird sehr gut vermarktet, aber ist ein einziges Umweltproblem.

Denn sobald es benutzt oder entsorgt wird, zerfällt es in winzig kleine Plastik-Teilchen, Mikroplastik. Diese wieder aus Kompost, Natur oder Wasser raus zu bekommen ist quasi unmöglich und so finden wir es heuzutage überall – vom Fisch, über den Meeresgrund bis hin im menschlichen Körper. Deshalb ist das für uns ein absolutes No-Go und wir greifen lieber zu Alternativen wie Steckigel oder Hasendraht. Wenn ihr mehr darüber lernen wollt, kommt gerne mal zu einem unserer Workshops! (Und fragt doch beim nächsten Blumenladen-Besuch mal nach, ob die da auch etwas besseres anbieten können!)

Boden-Gesundheit.

In diesem Bereich lernen wir gerade noch ganz viel dazu. Selbstverständlich sind für uns eine zum Boden passende Düngung und der Versuch, die Bodenstruktur nicht durch zu schwere Geräte oder Maschinen zu sehr zu verdichten.

Im Boden steckt aber viel mehr als das, was wir von außen sehen und wir hoffen, dass wir in Zukunft mehr darauf acht geben können. So soll der Acker 2024 das letzte Mal mit einem Traktor befahren und gepflügt werden und danach wollen wir auf bodenschonendere Bearbeitung mit kleiner Bodenfräse und Broadfork (super Teil, weil es die Bodenschichten nicht durcheinander bringt) umsteigen. Wir hoffen, dass das gelingt. Ebenfalls bessern wollen wir uns beim Thema Begrünung – unser Boden soll möglichst ganzjährig von Pflanzen bedeckt sein, damit nicht so viele Nährstoffe von Wind und Wasser abgetragen werden können, sondern uns erhalten bleiben.

Nachhaltige Verpackungen.

Wir verzichten bei unseren Verpackungen auf Plastik (s. kein Einmal-Plastik). Die Kartons sind größtenteils aus Recycling-Karton, das Klebeband aus Papier und veganem Kleber. Aufkleber und Flyer werden größtenteils auf Recycling-Papier und mit pflanzenbasierten Farben mit Ökostrom gedruckt, der Kleber ist ebenfalls vegan. Gerne würden wir hier noch lokaler werden – falls du also einen Tipp für eine nachhaltige Druckerei in Sachsen hast, schreib uns!

Wirtschaften im Kreislauf.

Dadurch, dass das Feld noch so jung ist und wir den Acker nicht besitzen, sondern pachten, haben wir hier begrenzte Möglichkeiten. Was wir tun/planen: eigenen Kompost anlegen und nutzen, Regenwasser auffangen, einiges an Saatgut selber nehmen und nutzen.

Und sonst so?

Torffreies Gärtnern.

Torf ist ein tolles Material, das vor allem in Anzucht- und Gartenerde zu finden ist, weil es eine wunderbare Struktur hat und Wasser speichern kann. Das Problem dabei: Es wird in Mooren abgebaut und die brauchen wir ganz ganz dringend für unseren Klimaschutz, da sie Unmengen CO2 speichern (und noch viele andere wichtige Funktionen haben)!

Wir verwenden daher 100% torffreie Anzuchterde. Das bedeutet im Gewächshaus regelmäßigeres Gießen der Jungpflanzen und Aussaaten, aber ist es uns auf jeden Fall wert. Achtet unbedingt beim nächsten Erden-Kauf darauf, dass da kein Torf drin ist (steht meistens irgendwo groß drauf ;).

Wasser sparen.

Leider kommen wir mit unserer Art des Anbaus nicht um die zusätzliche Bewässerung der Blumen drum herum. Wir wollen in den nächsten Jahren noch besser heraus finden, welche Blumenarten mit den Bedingungen auf dem Feld gut zurecht kommen und Hitze und Trockenheit (Klimawandel sei Dank) gut aushalten.

Um nicht unnötig Wasser zu “verbrauchen”, verwenden wir eine wassersparende Tröpfchenbewässerung bei den Blumen, die es nötig haben. Diese liegt direkt auf der Erde und so gelang das Wasser sofort zu den Wurzeln, anstatt viel in der Luft zu verdunsten. Gesteuert wird die Anlage automatisch mit einem Bodensensor. Der misst die Feuchtigkeit im Beet und schaltet die Bewässerung nur so lange an, bis die Erde wieder feucht genug ist. Das ist unser Kompromiss, mit dem wir aktuell ganz zufrieden sind.

Energie sparen.

Als ganz winzig kleine Landwirtschaft setzen wir in vielen Bereich auf Handarbeit. Einige Motor-betrieben Geräte braucht es aber für uns trotzdem. Hier versuchen wir, möglichst auf Elektro-Geräte zu setzen, da wir die Möglichkeit haben, auf dem Feld Solarstrom von benachbarten Bauern zu beziehen. So fährt sowohl unser kleiner Elektro-Transporter (oder auch “Meppl” 😉 als auch der Rasenmäher mit Strom. Für die geplante Bodenfräse werden wir hier allerdings Abstriche machen müssen.

Und jetzt auch noch bio?

Sich als kleiner Schnittblumen-Betrieb bio-zertifizieren zu lassen ist gar nicht so einfach, denn die Strukturen sind nicht dafür auslegt. Wir haben dafür einen Vertrag mit einer Kontrollstelle, die uns regelmäßig kontrollieren kommt und vor der wir von Buchhaltung bis zum Anbau alles offenlegen müssen. Das kostet viel Zeit und auch Geld, denn all das bezahlen wir als Betrieb. (Förderungen und Gelder bekommen wir dafür übrigens nicht, weil unsere Anbaufläche so winzig ist…)

Zusätzlich zu den Slowflower-Leitlinien, die wir erfüllen, kommen weitere wichtige Regeln hinzu. So dürfen wir nur Produkte kaufen, die für den Öko-Landbau zugelassen sind (z.B. Anzuchterde oder Kompost) und müssen für alles Saatgut, welches es nicht in bio Qualität zu kaufen gibt (leider einiges), Ausnahmegenehmigungen beantragen. Obwohl die Gedanken und Werte dahinter absolut unterstützenswert sind, schränkt uns das in der Praxis oft sehr ein.

Warum wir das dann trotzdem auf uns nehmen? Weil wir überzeugt sind, dass es Bio-Blumen braucht. Für alle Bio-Läden und Menschen, die auf das Siegel vertrauen und weil der ökologische Landbau so wichtig für unsere zukunftsfähige Welt ist.

Unsere Blumen sind also Slowflowers UND bio. Eine kleine Rarität 😉